Perücken heute
Dem heutigen Schönheitsideal entspricht es, das natürliche Haar zu zeigen. Denn echtes Haar ist Zeichen von Vitalität und Jugendlichkeit. Perücken oder Haarteile werden nur noch im Theater oder zu Festlichkeiten getragen. Oder sie finden Verwendung bei Frauen, die schnell und unkompliziert eine perfekte Frisur oder einen neuen Look wünschen – allerdings soll die Perücke dann wie echtes Haar wirken.
Zudem werden Perücken aus medizinischen Gründen eingesetzt. Wenn zum Beispiel nach einer Chemotherapie die Haare ausfallen, helfen weder Medikamente noch Toupets oder eine Haarverpflanzung. Einzig die Perücke als Haarersatz schafft schnell Abhilfe und kann das Selbstbewusstsein der Patienten wieder heben.
Perücken werden entweder aus Kunst- oder Echthaar hergestellt. Im Theater kommen vor allem Kunsthaarperücken zum Einsatz. Die meisten, täglich getragenen Perücken bestehen allerdings aus Echthaar. Dieses Haar stammt vorwiegend aus Indien oder aus Europa. Der Preis für eine Perücke liegt zwischen 300 und 2000 Euro. Pro Kilogramm Echthaar sind dafür bis zu zehn Spender nötig. Im Gegensatz zu den historischen Perücken, sind die heutigen Haarersatzteile leicht und von sehr guter Qualität.
Die Herstellung der Perücke
Gut verarbeitete Haarteile werden im Allgemeinen von Perückenmachern hergestellt. Sie verfügen über eine Ausbildung im Friseurhandwerk oder in der Maskenbildnerei. Sie stellen Maßtoupets oder Maßperücken her. Um das Haarmaterial zu tressieren, zu knüpfen und zu tambuieren, arbeiten sie per Hand oder nehmen spezielle Maschinen zur Hilfe.
Handgeknüpfte Perücken
Bei der handgeknüpften Perücke werden die einzelnen Haare auf feinen Tüll (z.B. Monofilament) geknüpft. Der Vorteil ist, dass sie Perücke wie natürliches Haar zu frisieren, luftdurchlässig und bequem ist. Zudem scheint die eigene Kopfhaut durch den unauffälligen tüllähnlichen Stoff hindurch, weshalb der Haarersatz besonders echt wirkt. Diese hochwertigen Perücken sind besonders für Menschen mit wenig Eigenhaar geeignet.
Haartressen
Neben der handgeknüpften Perücke gibt es auch so genannte Haartressen. Hier werden Kunst- oder Echthaare maschinell oder per Hand auf Bänder genäht und anschließend mit dem Eigenhaar verklebt. Diese Methode eignet sich nur, wenn noch genügend Eigenhaar vorhanden ist. Zudem geben die Haartressen viel Volumen, weshalb man damit nicht im Bereich des filigranen Haaransatzes arbeiten kann. Die Haartresse wird deshalb eher für Haarverlängerungen verwendet.
Das Toupet
Das Toupet hat seinen Namen vom französischen toup (Haarbüschel) und wird umgangssprachlich auch „Fifi“ genannt. Im 18. Jahrhundert bezeichnete es eine Haarmode, bei der man durch Toupieren oder ein untergelegtes Polster eine mit Pomade gefestigte Haartolle kreierte. Heute ist das Toupet ein speziell angefertigtes Haarersatzteil für kahle oder weniger behaarte Stellen auf dem Kopf – vorwiegend bei Männern. Allerdings hat es keinen guten Ruf, da es bei schlechter Verarbeitung und Anbringung „wie aufgesetzt“ wirken kann. Dennoch ist Haarausfall für viele Menschen mit enormen psychischen Problemen verbunden, auch wenn die Haare nur an wenigen Stellen ausfallen. Ein kleines Toupet kann schnell Abhilfe schaffen und den Patienten wieder mehr Selbstsicherheit geben.
Die Haarverlängerung (Extensions)
Besonders bei Frauen beliebt ist die Haarverlängerung. Hier werden Echt- oder Kunsthaarsträhnen mit dem Eigenhaar verwebt oder angeklebt. Im Nu ist das Eigenhaar um einiges länger oder wirkt besonders voluminös. Als Echthaar wird vorwiegend europäisches oder indisches Schnitthaar verwendet. Synthetische Extensions sind zwar günstiger, aber qualitativ minderwertiger. Die Befestigung der Extensions mit dem Eigenhaar kann durch Clips, Klebestreifen oder Einflechten erfolgen. Deshalb ist für jede Haarverlängerung genügend Eigenhaar erforderlich.
Buchtipps
- Bolt (2001): Haare. Eine Kulturgeschichte der wichtigsten Hauptsache der Welt.
- Mayr / Mayr (2003): Von der Kunst, Locken auf Glatzen zu drehen. Eine illustrierte Kulturgeschichte der menschlichen Haarpracht
- Burkart (2000): Zwischen Körper und Klasse. Zur Kulturbedeutung der Haare. In: Koppetsch, C. (2000): Körper und Status. Zur Soziologie der Attraktivität.
- Körner (1964): Zauber der Frisur. 5000 Jahre Haarkosmetik und Mode. Darmstadt: Wella AG.
- Bryer (2000): The history of hair: Fashion and fantasy down the ages.
- Trüeb / Lier (2002): Hauptsache Haar: Das Haar im Spiegel von Medizin und Psychologie
- Deslauriers (2006): Haare im Licht: Schönes Haare, strahlendes Selbst
- Gazar (2002): Haarausfall - Was tun?
- Tiedemann von Böhlau (2006): Haar-Kunst. Zur Geschichte und Bedeutung eines menschlichen Schmuckstücks
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