Die Geschichte der Perücke

In der Vergangenheit galten Haare nicht nur als eine Art Schmuck, sie teilten auch etwas über die Persönlichkeit des Trägers mit. Frisuren gaben Auskunft über sozialen Status oder den Beruf. Dabei trug man nicht immer nur das eigene Haupthaar zur Schau. Vielmehr gab es Zeiten, in denen Perücken dem Echthaar vorgezogen wurden. Schon im alten Ägypten trugen Männer als auch Frauen umfangreiche Haarteile. Diese Perücken bestanden aus kleinen, geflochtenen Zöpfen, die rechteckig das Gesicht umrahmten. Diese Kunstwerke galten damals als schönster Körperschmuck und wurden dementsprechend aufwändig hergestellt, gefärbt, gepflegt und auch parfümiert. Die älteste Perücke der Welt stammt aus dieser Zeit – sie ist circa 4000 Jahre alt.

Im alten Griechenland war Körperhaar generell verpönt. Die aufwändigen, oft lockigen Frisuren waren allesamt Perücken. Zur Haarformung benutzte man den Lockenstab, nur hieß dieser damals „Calamistrum“ und war ein Hohlstab aus Bronze. Bei den Römern wurden verhältnismäßig wenige Perücken getragen. Allerdings waren die Römerinnen derart begeistert vom blonden Schopf der Germaninnen, dass sie ihnen die hellen Haare abschnitten und sich daraus blonde Perücken fertigen ließen.

Zu Beginn des Barockzeitalters bevorzugte man aufgrund der damals modernen, hoch geschnittenen „spanischen Trachten“ einen praktischen Kurzhaarschnitt. Ludwig der XIII. hatte jedoch ein ernstes Haarproblem und trug fortan eine Lockenperücke, um den kahlen Kopf zu verbergen. Im Nu waren lange Korkenzieherlocken in Mode – und die Hochzeit der Perücke brach an.  Mit Ludwig dem XIV., der ebenfalls schütteres Haar hatte, wurde die Perücke zum Standessymbol der höfischen Kleidung in ganz Europa. Diese so genannte „Allongeperücke“ wurde  zur Staatsperücke. Im Zuge dessen entstanden erste Innungen der Perückenmacher in Paris.

Nach 1700 wurden die Perücken noch üppiger und wurden sogar mit Mehl weiß gepudert. Die Perücken bestanden vorwiegend aus Rosshaar, Ziegenhaar, Hanf oder Flachs. Allerdings war das Tragen der Perücke nur den oberen Schichten vorbehalten: Bauern und Handwerker durften gar keine und Soldaten nur kurze, ungepuderte Perücken tragen. Das Pudern der künstlichen Haare war sogar mit einer Steuer belegt.

Schon vor der Französischen Revolution war die Perückenmode nicht mehr angesagt. Und seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Perücken und Toupets nur noch als Bestandteil von Amtstrachten getragen. Bis heute tragen Richter und Parlamentarier in Großbritannien die Allongeperücke. Frauen dagegen benutzten noch zur Zeit des Biedermeier spezielle Haarteile, um kunstvolle Frisuren zu fertigen. Ende des 19. Jahrhunderts waren weniger aufwändige Frisuren in Mode. Künstliche Haarteile verschwanden. Natürliche Frisuren und praktische Haarschnitte erhielten den Vorzug – das ist bis heute der Fall.