Ökotest über Mittel gegen Haarausfall

Lichter werdende Haare sind immer noch nicht von der Gesellschaft akzeptiert und wer mit einem schütteren Haupthaar gesegnet ist, klammert sich an jeden Strohalm, der ihm gereicht wird. Wie der neuste Test von Ökotest ergab, gibt es wirksame Hilfe, aber nur auf Rezept und nur mit einer Reihe von Nebenwirkungen.  Für diese Studie hat Ökotest in Apotheken und Drogerien 30 Mittel gegen Haarsaufall gekauft: neun rezeptpflichtige und fünf nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, ein Nahrungsergänzungsmittel, eine ergänzend bilanzierte Diät und 14 Kosmetika.

Das Testergebnis ist erschreckend, denn an den meisten Produkte konnte Ökotest im wahrsten Sinne des Wortes kein gutes Haar lassen. Mit dem Prädikat „gut“ schneiden bei den Arzneimitteln lediglich die Produkte, in denen Finasterid enthalten ist und nur zur Anwendung bei Männern zugelassen sind, zudem rezeptpflichtig sind, ab. Die Wirksamkeitsbelege der Nichtarzneimittel sind nicht ausreichend. Entscheidend dabei: Finasterid muss man dauerhaft einnehmen, denn sonst fallen die Haare wieder aus.

Einher gehen diese Mittel mit möglichen Nebenwirkungen wie z.B. Libidoverlust, Erektionsstörungen und vermindertes Ejakulatvolumen. Des Weiteren besteht der Verdacht, dass Finasterid Brustkrebs auslösen kann, ist bei Frauen wirkungslos und ist wegen fruchtschädigender Wirkungen bedenklich.
In den beiden nicht rezeptpflichtigen Regaine-Präparaten konnte die Wirksamkeit von Minoxidil als „gut“ eingestuft werden. Wie jedoch der Haarausfall gestoppt wird, steht nicht eindeutig fest. Nachteilig: ungeklärte Herz-Kreislauf-Risiken.

Die Wirksamkeit der Lösungen Ell-Cranell Alpha und Pantostin mit dem Wirkstoff Alfatradiol ist wenig überzeugend. Die Produkte Flupredniden-21-acetat und Prednisolon behoben zwar Entzündungen der Kopfhaut, konnte das Wachstum der Haare aber nicht nachweislich positiv beeinflussen.
Auch die Wirksamkeit der Pantovigar, Hartkapseln erachtet Ökotest als nicht ausreichend belegt.

Testergebnisse kosmetische Mittel
Sie dürfen per Definition nicht gegen Haarausfall wirken, denn Kosmetika dürfen laut Kosmetikverordnung keine „heilerischen“ Fähigkeiten besitzen. Kosmetika gegen Haarausfall versuchen mit Inhaltsstoffe wie Hopfenextrakt, Klettenwurzelextrakt, Ginseng, Vitamine, Aminosäuren, Peptide, Carnitin und Taurin, den Haarwuchs zu stärken. Es gibt aber keine Daten, die eine Wirksamkeit dieser Substanzen belegen.

Testergebnisse andere Mittel gegen Haarausfall
Auch die anderen Mittelchen, Tinkturen und Kapsel schneiden nicht besser ab. So liegen für das Nahrungsergänzungsmittel Inneov Haarfülle Anti-Haarausfall, Tabletten und Kapseln, in denen u.a. Taurin und Grüntee-Extrakt enthalten ist, keine ausreichenden Beweise für die Wirksamkeit vor. Auch die ergänzend bilanzierte Diät Priorin, Kapseln, basierend auf einem Hirseextrakt, Pantothensäure und Cystin und mit Extrakten aus Grüntee, Tomaten oder Hirse konnten den Haarausfall nicht stoppen.  Zudem muss man bedenken, dass einige frei verkäufliche Präparate bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe haben. So befindet sich in der Rausch Haartinktur, Spezial-Lotion Resorcinol Acetat, in dem Spuren von freiem Resorcin enthalten. Resorcin kann in die Haut eindringen, Allergien auslösen u.U. zu Leber- und Nierenschäden führen.

Zudem sind in vielen Produkten Cashmeran oder polyzyklische Moschus-Verbindungen enthalten. Sie reichern sich im Fettgewebe an. Die beauftragten Labore von Ökotest fanden zudem allergisierende Duftstoffe wie Hydroxycitronellal oder Cinnamyl alcohol, sowie Citral, Eugenol, Geraniol, Citronellol oder Cumarin. Sie werden für Duftstoffallergiker problematisch.
In der Hälfte der kosmetischen Mittel fanden die Labore zudem erhöhte Gehalte des Vergällungsmittels Diethylphthalat. Es wird vermutet, dass Phthalate wie ein Hormon wirken.

Quelle: Ökotest